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EurAka Baden-Baden ermöglicht sehbehinderten Schülern Weg in den Beruf

Pilotprojekt an der Europäischen Medien- und Event-Akademie in Kooperation mit der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte

vorne: Franz-Josef Esch (Vorstand FSBS), Thomas Eibl (Geschäftsführer EurAka) hinten: Stefan Reinert (Leitung Tonstudio), Peter Schwinn (Abteilungsleiter Aus- und Weiterbildung)

  EurAka

Baden-Baden, Cité –
Die Europäische Medien- und Event-Akademie (EurAka) startet im September 2011 ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte (FSBS). Zum Ausbildungsbeginn im September werden zwei ausgewählte Schüler mit einer Sehbehinderung in die bestehende zweijährige Berufsausbildung „Fachkraft für Audiotechnik“ integriert. Ziel ist die staatlich anerkannte Abschlussprüfung. Die Schüler haben aufgrund ihrer Sehbehinderung einen perfekt trainierten Hörsinn. Dieser prädestiniert sie im Bereich der Tontechnik tätig zu sein. Das Auswahlverfahren der Schüler wird im Juli beendet sein. Zu den entscheidenden Kriterien gehören „eine hohe Motivation für die Ausbildung, Erfahrungen im Bereich der Tonbearbeitung, das Beherrschen eines Musikinstrumentes, der sichere Umgang mit EDV-Hilfsmitteln und vor allem: ein offenes Wesen sowie die Bereitschaft, sich nicht auf den Behindertenstatus als Sonderrolle zurückzuziehen“ sagt Peter Schwinn, Projektleiter bei der FSBS.

Anlass des Pilotprojektes ist eine Erweiterung der bisherigen beruflichen Aus- und Weiterbildungsangebote der FSBS auf den Bereich Audiotechnik - auch in diesem Berufsfeld sollen Blinde und Sehbehinderte kompetent arbeiten können. Schon seit längerem bietet die Frankfurter Stiftung berufliche Qualifizierungen für Blinde und Sehbehinderte im Bereich Dokumentar, Onlinejournalist und PR-Juniorberater an. Bei der bundesweiten Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner für den neu zu erschließenden Ausbildungsbereich fiel die Wahl der Stiftung auf die EurAka. Peter Schwinn dazu: „Wir freuen uns, Schulleiter Harald Prieß für dieses Projekt begeistert zu haben und sind sehr zuversichtlich, dass die blinden und sehbehinderten Teilnehmer ihre Ausbildung erfolgreich abschließen werden.“

Im Vorfeld entwickelten FSBS und EurAka gemeinsam ein Unterrichtskonzept, mit dem Ziel, die Vermittlung von Ausbildungsinhalten an die Bedürfnisse sehbehinderter und blinder Schüler anzupassen. Durch die Integration der neuen Schüler in die Ausbildungsklasse versprechen sich beide Seiten, die Trennung zwischen Sehenden und Sehbehinderten aufzuheben.

Um diese „Barrierefreiheit“ zu erreichen, waren verschiedene Schritte erforderlich. „Zunächst haben wir das Unterrichtsmaterial in blindengerechte Formate übertragen“, so Harald Prieß, Schulleiter der Fachkraft für Audiotechnik. „Die Skripte mussten in Blindenschrift konvertiert und die im Unterricht eingesetzte Soft- und Hardware an die edvgestützten Hilfsmittel der sehbehinderten Schüler angepasst werden – beides grundsätzliche Vorarbeiten, da der Praxisbezug eine wichtige Rolle innerhalb der technischen Ausbildung einnimmt“, erläutert Prieß. Zudem sind zehn Dozenten und das Sekretariat geschult worden. „Die Lehrkräfte werden die ansonsten visuell vermittelten Unterrichtsinhalte verstärkt durch mündliche Beschreibungen ersetzen“, erklärt Peter Schwinn.

Auch die Prüfungsordnung ist in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe angeglichen worden. „So können wir gewährleisten, dass die angehenden Fachkräfte für Audiotechnik ihre schriftliche und praktische Abschlussprüfung zusammen mit ihren sehenden Mitschülern antreten können“, erklärt Harald Prieß.

In ihrer zweijährigen Ausbildung werden die blinden und sehbehinderten Schüler durchgehend von einer Tutorin der Frankfurter Stiftung begleitet. Außerdem verhilft ein Mobilitätstraining zur besseren Orientierung und zum sicheren Bewegungsablauf auf dem Campus und im Wohnheim der EurAka.
„Die blinden und sehbehinderten Schüler werden sich hier selbständig und ohne fremde Hilfe bewegen, dafür ist eine spezielle Schulung erforderlich“, so Peter Schwinn.

Seit März 2009 ist in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention verbindlich, welche die Vertragsstaaten u.a. dazu verpflichtet, behinderten Menschen uneingeschränkten Zugang zu Bildungssystemen, also auch zu beruflichen Bildungsstrukturen, zu gewährleisten. Der Geschäftsführer der EurAka, Thomas Eibl: „Wir sind stolz darauf, sehbehinderten Schülern den Weg in eine anerkannte Berufausbildung zu ebnen.“
 

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