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  Freizeit | Kultur | Theater

Bühl: Erstmals wird Veranstaltungsreihe Novemberlicht im Elsass eröffnet

Bus fährt nach Haguenau zur Premiere / Théâtre de la Choucrouterie spielt zweisprachig

Cathy Bernecker (r.) und Jenny Macquart

  Jean Marc Loos

Rastatt, Bühl –

»Legenden, um die Zeit zu vertreiben«. So könnte man den französischen Titel der Eröffnungsveranstaltung zum diesjährigen Novemberlicht übersetzen. In der Barbarossastadt Haguenau tritt ein Ensemble des legendären Théâtre de la Chocrouterie aus Straßburg am Freitag, 5. November, 20.30 Uhr auf. Die Stadt Bühl, mit Haguenau und zehn weiteren badischen und elsässischen Gemeinden vernetzt, ist mit Oberbürgermeister Hans Striebel bei dieser Premiere vertreten. Dieser können gern Interessenten beiwohnen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Dazu setzt die Stadt den Novemberlichtbus ein, der um 19 Uhr an der Haltestelle Rathaus abfährt. Die Kombikarte (Bus und Eintritt) verkauft das städtische Bürgeramt, Telefon (0 72 23) 9 35-5 33. Das gesamte Novemberlichtprogramm ist auf der Internetseite der Stadt Bühl veröffentlicht. Zum achten Mal leuchtet das Novemberlicht zwischen Ortenau und dem Unterelsass. Vom 5. bis 27. November kann man 15 ganz unterschiedliche Veranstaltungen erleben, die eines gemeinsam haben – die gemeinsamen kulturelle Wurzeln.

Im Stadttheater Haguenau nehmen die beiden Schauspielerinnen Cathy Bernecker und Jenny Macquart die Gäste zweisprachig mit zu den „Légendes pour passer le temps“. Erwin Siffer, Sohn von Roger Siffer, der mit Suzanne Mayer die Idee für diese Aufführung hatte, begleitet die beiden Frauen musikalisch. Und aufgepasst: die hervorragenden Komödiantinnen blättern als Erzählerinnen, Hexen und Feen in der Sammlung „Tausend Jahre Geschichten, Erzählungen und Sagen aus dem Elsass“. Die hat Auguste Stoeber, ein berühmter elsässischer Dichter, Archäologe und Historiker im 19. Jahrhundert niedergeschrieben. In dessen Fundus hat Roger Siffer gegraben. Ihn, den künstlerischen Leiter des „Sürkrüt-Theat’r“ vorzustellen, wäre Wasser in den Rhein schütten. Er würde wahrscheinlich bei seinem großen Vorbild Germain Muller beginnen, dem Gründer des Theaters „Le Barabli“ (Regenschirm). Dieser elsässische Kulturpolitiker, der seine Schauspielerkarriere übrigens am Badischen Staatstheater in Karlsruhe beendete, prägte das Elsass in vielem - als Dichter, Theaterautor und Kabarettist. Muller „entdeckte“ den jungen Siffer und der verbrachte eine segensreiche zweijährige „Lehrzeit“ im „Barabli“. Siffer nutzte den Leerstand einer Sauerkrautfabrik in der Alststadt von Straßburg, um sein „la Chouc“ zu gründen. Während viele elsässische Nachwuchskünstler hier ihre ersten großen Auftritte feierten, verzichtete er aus Respekt vor seinem Vorbild Muller bis zu dessen Tod auf eigene Kabarettdarbietungen.

„Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element in dem die Seele Atem schöpft.“ Diesen Satz von Johann Wolfgang von Goethe setzt der Regisseur der Novemberlichtpremiere, Pierre Diependaele, an den Anfang seiner Ausführungen zum Werk. Das Theater stellt die Frage, was machen wir eigentlich mit dem Schatz von 1000 Jahren Geschichten, Legenden und mündlichen Überlieferungen, die in unermüdlicher Leidenschaft vor über 100 Jahren von Auguste Stoeber im gesamten Elsass gesammelt wurden? Mit seinen Darstellern steigt der Regisseur ein „in das kostbare Gedächtnis der alten Mythen und Sprichwörter“. Und weil Roger Siffer „seine Finger darin hat“, wird es eine besondere Reise in längst vergessene Zeiten werden.

  

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