HaLT – Alkoholprävention und Jugendschutz: Dank HaLT auf gutem Weg

Die kommunale Suchtbeauftragte Karin Marek-Koßmann lud die Kooperationspartner des Alkoholpräventionsprojekts HaLT (Hart am Limit) zu einer Nachbesprechung ein. Dabei ging es um den Einsatz von HaLT-Jugendschutzteams bei Fastnachtveranstaltungen und deren Erfahrungen. HaLT-Kooperationspartner sind Polizei, Suchtberatungsstelle, das städtische Fachgebiet Öffentliche Ordnung, die Brücke 99 und der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt.

In einer Rückschau ging es um die gemachten Erfahrungen in Zusammenhang mit dem teils übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen während der Fastnachtsumzüge und -veranstaltungen. Danach wurde das weitere Vorgehen festgelegt. Anlass für die Zusammenkunft war die Berichterstattung in den Medien und Leserbriefe besorgter Eltern. Hinzu kamen Beschwerden über alkoholisierte und teilweise aggressive Jugendliche, insbesondere beim Nachtumzug in Haueneberstein, die auch von den vor Ort eingesetzten HaLT-Teams bestätigt wurden. Die HaLT-Teams waren unterwegs, um den ausufernden Alkoholkonsum Jugendlicher einzudämmen – keine leichte Arbeit angesichts der großen Zahl junger Menschen.

Im Vorfeld bot HaLT den verantwortlichen Fastnachtsvereinen Gespräche an, um Maßnahmen und Verhaltensregeln mit Behörden und HaLT-Jugendschutzteams abzustimmen. Diese Hilfe nahmen die Vereine gerne an. Nicht nur zu den Fastnachtsvereinen, sondern auch zu Geschäften, Tankstellen, Standbetreibern und Lokalen, die alkoholische Getränke verkaufen, wurde Kontakt aufgenommen und um Unterstützung für den-Jugendschutz geworben. Für das nächste Jahr erhofft man sich hier noch eine stärkere Unterstützung. Beim Ooser Fastnachtsumzug waren beispielsweise zwei Jugendschutzteams unterwegs. Ehrenamtliche Helfer begleiteten Mitarbeiter von der Suchtberatungsstelle und Polizei. Das Amt für Familien, Soziales und Jugend stellte den Bereitschaftsdienst, um gegebenenfalls stark betrunkene Jugendliche in Empfang zu nehmen, deren Eltern anzurufen und in die Stadtklinik zum Ausnüchtern zu bringen. Zusätzlich, unabhängig von den HaLT-Jugendschutzteams, waren auch Mitarbeiter des Jugendtreffs Brücke 99 als Streetworker unterwegs. Dabei wurde festgestellt, dass die verantwortlichen Fastnachtsvereine vernünftige Konzepte aufstellten und sich sehr um die Sicherheit der Zuschauer und Gäste bemühten. Die HaLT-Jugendschutzteams waren an vielen Stellen präsent und griffen etliche alkoholisierte Jugendliche auf. Aber Vereine wie auch die HaLT-Jugendschutzteams stoßen an Grenzen: Einige Eltern, deren Töchter und Söhne alkoholisiert aufgegriffen wurden, waren froh, dass sie benachrichtigt wurden. Andere wiederum verstanden nicht oder reagierten sogar verärgert darüber, dass ihr Kind vom Alkoholtrinken abgehalten wurde. Ihre Begründung: Schließlich sei Fastnachtszeit. Und da gehöre das Trinken und Feiern dazu. „Kontraproduktiv war, dass bei einigen Umzügen wahllos kleine Fläschchen mit Alkohol, sogenannte Feiglinge ausgeteilt wurden“, berichtete Wolfgang Langer, Leiter der Fachstelle Sucht. „Und ebenso wenig vorbildlich und hilfreich ist es, wenn Erwachsene ihre Hausbar auf dem Bollerwagen im Umzug mitführen.“

Fazit der Zusammenkunft war, dass sich der Fokus der Beschwerden stark auf alkoholisierte Jugendliche und junge Erwachsene richtete. Dabei geraten die Erwachsenen und ihre Verantwortung und Vorbildfunktion gegenüber den Kindern und Jugendlichen leicht aus dem Blick. Fastnacht ist für viele, auch für Erwachsene und nicht nur für Jugendliche, ein gesellschaftliches Ereignis, an dem mitunter hemmungslos Alkohol in großen Mengen öffentlich getrunken wird. Marek-Koßmann: „Auch die Erwachsenen müssen sich hier den Spiegel vorhalten lassen und ihr eigenes Tun hinterfragen. Mit Pflege des Brauchtums hat dies oft nichts mehr zu tun.“ HaLT-Jugendschutzteams können hier alleine nichts ausrichten. Sie sind keine Ordnungskräfte und stellen auch keinen Ersatz für Securitykräfte dar. Die Teams können allerdings helfen und unterstützend wirken. Nochmals Marek-Koßmann: „Das Zusammenspiel von gesetzlichen Maßnahmen, Präventionsangeboten und der klaren Haltung der Öffentlichkeit, wie von Eltern oder der Polizei, zu einem risikoarmen Alkoholkonsum ist wichtig. Aber dies sollte nicht nur während der Fastnachtzeit gelten, sondern auch bei anderen Veranstaltungen, wie auf Vereins- oder Straßenfesten.“

Wolfgang Langer betonte: „Um extremen Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei Festveranstaltungen vorzubeugen, bedarf es eines Bündels von Maßnahmen, so wie dies das Alkoholpräventionskonzept von HaLT vorsieht.“ Und Polizeihauptkommissar André Claveau, Leiter des Polizeiposten Baden-Baden-Oos, bekräftigte: „Festveranstalter haben ein Hausrecht und sollten dieses auch nutzen.“ Es bestand innerhalb des Gesprächskreises Einigkeit darüber, „dass die Erfahrungen ausgewertet werden und gemeinsam mit den Veranstaltern praktikable Strategien insbesondere zum Thema Umgang mit Alkohol zu entwickeln sind.“ „Auch stehen Überlegungen an, wie die Kontakte zu Gastronomiebetrieben und Einzelhandelsgeschäften intensiviert werden können. So könnten Mitarbeiter zu diesem Thema geschult werden, um einen rechtlich einwandfreien und verantwortungsvollen Umgang beim Ausschank oder Verkauf von Alkohol zu gewährleisten.“

Leitlinien für die Durchführung von Veranstaltungen wie Straßenfeste und Partyveranstaltungen sind im HaLT-Projekt erstellt worden. Petra Kurpisz vom städtischen Fachgebiet Öffentliche Ordnung: „Bereits bei der Planung ihrer Feste haben Veranstalter hier die Möglichkeit, sich mit uns, dem städtischen Ordnungsamt, der Suchtberatungsstelle und der Polizei kurzzuschließen und beraten bzw. begleiten zu lassen.“ Marek-Koßmann ergänzte: „In den kommenden Wochen sollen jetzt auch intensive Kontakte zu weiteren Institutionen wie zum Beispiel den Sportvereinen aufgenommen werden, um auch dort für eine Sensibilisierung für das Thema zu werben. Insbesondere für die Schulen werden Unterrichtseinheiten zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol angeboten.“ So lautete denn auch das allgemeine Fazit der Projektpartner: „Dank HaLT sind wir auf einem guten Weg.“

Das Projekt „HaLT - Hart am Limit" – Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen – ist seit 2009 als fester Bestandteil der Präventionsarbeit in Baden-Baden etabliert. Es geht dabei um eine kommunal verankerte Präventionsstrategie mit dem Ziel, Alkoholexzesse und schädlichen Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen im Vorfeld zu verhindern. HaLT ist ein Suchtpräventionsprojekt, das aus zwei unterschiedlichen Bausteinen besteht, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Im reaktiven Projektbaustein werden Jugendliche nach stationär behandelter Alkoholvergiftung mit dem sogenannten „Brückengespräch" meist noch im Krankenhaus angesprochen. Zusätzlich zu diesen Einzelberatungen für betroffene Jugendliche (und ihre Eltern) erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem riskanten Konsumverhalten im Rahmen eines acht- bis zwölfstündigen Gruppenangebotes. Neben der Zusammenarbeit mit den Kliniken gibt es, regional unterschiedlich, weitere Schnittstellen, um Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum frühzeitig zu erreichen, beispielsweise die Jugendberufshilfe, Ärzte, die Schulsozialarbeit oder die Justiz. Schlüsselbegriffe des proaktiven Bausteins sind Verantwortung und Vorbildverhalten von Erwachsenen im Umgang mit Alkohol, die konsequente Einhaltung des Jugendschutzgesetzes an Festen, in der Gastronomie und im Einzelhandel sowie eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung. Das bedeutet, während der reaktive Baustein die Zielgruppe der riskant Alkohol konsumierenden Jugendlichen anspricht, wendet sich der proaktive Baustein vorwiegend an Erwachsene.

Quelle: Pressestelle Baden-Baden, Sibylle Hurst

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