Baden-Württemberg will Stadtbahn S41 an Karlsruhe vorbeifahren lassen

Landkreis Rastatt und betroffene Murgtalkommunen halten die Überlegungen des Landes für eine grobe Fehlplanung

Das Land Baden-Württemberg als Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs plant in den kommenden Jahren, die Stadtbahnlinie S 41 künftig nur noch auf den DB-Gleisen bis zum Hauptbahnhof in Karlsruhe mit Weiterfahrt nach Durlach anstatt wie bisher über das AVG-Straßenbahnnetz in die Innenstadt der Stadt Karlsruhe zu führen. Hintergrund sind Überlegungen des Landes, die Linie im wettbewerblichen Verfahren zu vergeben, um wirtschaftliche Vorteile erzielen zu können.

Diese möglichen monetären Vorteile für das Land würden aber voll zu Lasten des gesamten Murgtals gehen, so ist sich Landrat Jürgen Bäuerle und der Oberbürgermeister der Stadt Gaggenau und Vorsitzender der Gesellschaft für kommunale Zusammenarbeit Murgtal (GKM), Christof Florus sicher. Eine direkte Erstinformation seitens des Landes an die Betroffenen ist bisher übrigens noch nicht erfolgt. Auch hier sind sich die Lokalpolitiker aus Bischweier, Forbach, Gaggenau, Gernsbach, Kuppenheim, Loffenau und Weisenbach Vorort einig: „Es wäre sicherlich von Vorteil gewesen, die Thematik offen und transparent im Vorfeld zu diskutieren und dann möglicherweise zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu gelangen.“

Inhaltlich ist die Sichtweise des Ministeriums in keiner Weise nachvollziehbar. Die gesamte Region hat erhebliche Anstrengungen aufgewendet, um eine Revitalisierung des strukturschwachen Murgtals zu erreichen. Ein Leuchtturmprojekt im Rahmen eines Maßnahmenbündels stellte hierbei die durchgehende Elektrifizierung der Murgtalbahn von Freudenstadt bis Rastatt dar. Die betroffenen Kommunen, die beiden Landkreise Rastatt und Freudenstadt, das Land und auch der Bund haben erhebliche Investitionen geschultert, um mit der Elektrifizierung der Murgtalbahn wesentliche nachhaltige Entwicklungsimpulse für das gesamte Murgtal zu schaffen.

Die Stadtbahnlinie S 41 hat sich auch hervorragend entwickelt; erst kürzlich wurde das 10-jährige Jubiläum gefeiert. Sowohl für den Pendler-, Geschäftsreise-, Schüler und auch den Freizeit- bzw. Tourismusverkehr stellt die S 41 ein nicht mehr wegzudenkendes Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs dar. Durch den Bau der Rampe am Albtalbahnhof konnte die Linie in die Innenstadt von Karlsruhe geführt werden. Die Innenstadtdurchfahrung war und ist ein wesentliches Element des Betriebskonzeptes. Die Kommunen und die beiden Landkreise haben hierfür die Kofinanzierung der spezifischen Zweisystemstadtbahnwagen übernommen. Die gesamte Region hält die Innenstadtanbindung auch weiterhin für einen unverzichtbaren Bestandteil. Es ist in keiner Weise einsichtig, dass gerade diese Linie aus dem Karlsruher Erfolgsmodell herausgetrennt werden soll. Damit wären erhebliche Verschlechterungen für die gesamte Bevölkerung des Murgtals verbunden. Mit dem verkehrlichen „Abhängen“ des Murgtals vom Karlsruher Modell wird grundsätzlich ein falsches Zeichen gesetzt.

Insgesamt betrachtet sehen die betroffenen Gebietskörperschaften die Durchbindung der Murgtallinie geradezu als „Geschäftsgrundlage“ für die seinerzeitige Mitfinanzierung der Kommunen und Landkreise an den Investitionen für die Strecke, Bahnhöfe und den spezifischen Zweisystemfahrzeugen. Landrat Bäuerle und die politischen Vertreter der Kommunen wollen daher auch alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Umkehr des Landes zu erreichen. Zunächst soll in einer konzertierten Aktion zwischen den beiden Landkreisen Rastatt und Freudenstadt und allen Murgtalkommunen ein gemeinsamer Appell an Minister Hermann gerichtet werden, die Kappungsüberlegungen der S 41 zu stoppen und das Karlsruher Modell mit innerstädtischen Durchfahrung weiterzuführen. Die entsprechenden Kontakte mit allen betroffenen Gebietskörperschaften laufen.

Es kann einfach nicht sein, dass ein langjähriges strukturpolitisches und verkehrliches Erfolgsmodell wegen wettbewerblichen Rahmenvorgaben des Landes aufgegeben werden soll.

Landrat Bäuerle und Oberbürgermeister Florus sind sich sicher, dass diese Forderung auf breiter Front nicht nur von den direkt betroffenen Gebietskörperschaften sondern darüber hinaus auch von allen regionalen Partnern unterstützt wird.

Quelle: Landratsamt Rastatt, Katharina Moor

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